Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
Fetisch & Dance ?

Am 8.Oktober startet mit "The-Fetish-Club" eine neue Veranstaltungsreihe in Stuttgart.
Sunshine-Live-Dj Charly the diggerman hat sich in einem Grusswort zu dieser Party Gedanken zu diesem Thema gemacht.



Immer wieder werde ich gefragt, ob das denn überhaupt zusammen passt: Fetisch & Dance. Eine Gegenfrage: Weshalb sollte es nicht zusammenpassen ? Beide Szenen entwickelten sich doch prächtig unter gegenseitiger Beeinflussung und haben schliesslich nur davon profitiert. Mitte der 90er Jahre suchten die Dancejünger nach neuen Impulsen und wurden innerhalb der Fetischszene fündig. Das breite Auftreten von Latex, Lack und Gummi in den Videoclips und Discotheken der Welt leistete im Gegenzug einen langsam vollzogenen Ausgleich zur Gesellschaftsfähigkeit dieser Materialen; eine Symbiose, ohne die beide Szenen heute sicher nicht dort stehen würden, wo sie zu finden sind. Unvergesslich bleiben Auftritte von INXS, den Spice-Girls, U2, Madonna oder in der heutigen Zeit Britney Spears, Paffendorf oder Destinys Child, alle gewandet in diese glänzenden, transparenten und elastischen Materialien, die nichts zeigten, dennoch nichts verbargen. Sie waren provokativ ohne zugleich skandalös zu sein, zeigten neue Trends und inspirierten Menschen zu Tausenden.

Auch eine andere Beobachtung ist nicht von der Hand zu weisen: kleinere Veranstaltungen und Parties werden oft durch und durch von der Farbe Schwarz dominiert und von düster morbiden Klängen begleitet. Je grösser aber das Event als solches, desto bunter, ausgefallener und lebensfroher geht es dort zu. Wer jemals den „Rubber Ball“ oder die „Europerve“ erlebt hat weiss, wie schillernd und glamourös ein solches Event verlaufen kann, ohne seine eigentliche Intention zu verlieren.

Für „The Fetish Club“ überlegte man lange, wie man diesem lebensfrohen Dasein begegnen kann. Es war erklärtes Ziel sich nicht in die Riege einschlägiger Events einzureihen, klare Definitionen zu finden und einfach mal „aus der Reihe zu tanzen“. Stark faszinierend wirkte dabei immer wieder die vielschichtige Beschaffenheit der Szene aus den umliegenden Ländern. Nichts wurde kopiert, nichts ausgelassen, es wurde einfach einmal wieder neu gemischt, geplant und überlegt.

Eine Fetischparty darf man durchaus in gewisser Weise mit einer „Mottoparty“ gleichsetzen: man feiert gemeinsam und stellt den Abend unter ein gewisses Thema. That´s it ! Erscheinen die Gäste einer 70er-Jahre-Party meist mit Schlaghosen, Bonanza-Koteletten und quietschbunten Blumen-Shirts, trägt man zu einer Fetisch-Party Lack, Latex, Leder oder Gummi, Netz oder einmal das Drunter als Drüber. Ihr könnt euch hier zeigen, wie ihr es vielleicht schon immer einmal wolltet, euch aber bisher auf regulären Veranstaltungen nie getraut habt. Was und wieviel ihr von Euch zeigen wollt, das entscheidet alleine ihr bei der Wahl eurer Garderobe. Lasst einfach eurer Phantasie freien Lauf. Ihr werdet keine schiefen Blicke ernten, zu nichts gezwungen werden, da sich jeder der Anwesenden die gleichen Gedanken machen musste, wie ihr selbst. So wie ihr euch wohlfühlt und zufrieden mit euch seid, wollen wir euch diesen Abend begrüssen.

Angst und Vorurteile sind völlig unbegründet, niemand muss sehen oder erleben, was er nicht sehen oder erleben möchte.

Was sich letztlich auf den einzelnen Parties und Veranstaltungen abspielen wird, das vermag nun sicher noch niemand zu sagen, wohl aber welche Plattform sich damit erschliessen wird. Mit „The Fetish Club“ wurde ein wichtiges Glied in der Kette geschaffen, das bisher deutlich fehlte: eine Veranstaltung, die euch alle ansprechen wird: Neugierige und Szene-urgesteine, Schaulustige und Zeigefreudige, Schwarze und Bunte, Homos und Heteros, Undurchsichtige und Transparente; keine Zwänge, alles kann, nichts muss.

Soviel Aufgeschlossenheit auf einen Schlag bezeichne ich gerne als revolutionär und freue mich schon sehr darauf an dieser Revolution aktiv teil haben zu dürfen. In den letzten Jahren durfte ich immer wieder erleben wie freudig stark sich die Akzeptanz der einen Szene gegenüber der anderen entwickelt hat. Alleine von diesem Punkt denke ich völlig überzeugt, dass es höchste Zeit ist Clubkultur und Fetischkultur endgültig zusammen zu führen.

Charly – The Diggerman