Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
SM & Alter

Anti-SM-Age-Frauen

Älter und gar alt werden ist schrecklich, die körperlichen Veränderungen sind eine Katastrophe, die Haut wird schlaff und es geht insgesamt physisch bergab: diese beklagenswerten Nebenwirkungen des Lebens gilt es aufzuhalten. Doch Hilfe naht: die Anti-Age-Welle rollt – und Frau sieht sich in der Verhinderung des Alterns auf vielfache Weise unterstützt, angefangen bei Dragees für straffe Haut, neuen Anti-Age-Cremes, Botox-Spritzen, Hormonen bis hin zu unzähligen chirurgischen Korrekturmöglichkeiten – die Jugend soll zurückgeholt werden, Altern ist verpönt , unzeitgemäß und manchmal hat man den Eindruck, auch unanständig.
Natürlich erfasst diese Welle in der Zwischenzeit auch Männer – nach wie vor unterliegen Frauen dem Schönheits- und Jugendwahn aber in viel stärkerem Maße und es gibt vermutlich kaum eine Frau, die sich völlig frei machen kann vom Diktat des möglichst lange Jüngerbleibens.

Aber trotz aller Anstrengungen: es gibt sie, die körperlichen Veränderungen, sie kommen langsam aber stetig, und das nicht erst mit fünfzig – und dabei ist der Hinweis darauf, dass gutes Aussehen von innen kommt, nur ein schwacher Trost, auch der, dass Herzenswärme wichtiger ist als ein Prachtbusen. Und die Feststellung, dass mit dem Alter die Erfahrungen zunehmen, kann leicht damit gekontert werden, dass das auch vom Bauch gesagt werden kann. Wir sollen/wollen nicht alt werden oder zumindest nicht so aussehen.

Soweit zum allgemeinen Teil. Und was hat das alles mit SM zu tun?

Ich stelle mir die Situation einer älter werdenden submissiven Frau vor. In ihrem Verständnis und in dem der meisten Frauen spielt die Körperlichkeit bei SM eine große Rolle – sei es im privaten Rahmen oder in der Öffentlichkeit. Enthüllen, Entblößen, Vorführen, Zeigen - Ausgeliefert sein nicht nur im Sinne von mentaler Unterwerfung, sondern auch dem Blick, bis auf und unter die Haut. Was lange selbstverständlich war, kann mit der Zeit, nach vielen kritischen Blicken in den Spiegel, der die Veränderungen unbarmherzig zeigt, das Selbstverständliche verlieren. Sub ist sich immer mehr ihrer vermeintlichen Unzulänglichkeiten bewusst, im privaten wie im öffentlichen Raum, und nicht immer hilft die Versicherung des Liebsten, dass diese überhaupt keine Rolle spielten, dass er sie überhaupt nicht wahrnähme und alles ja gar nicht so schlimm sei. Der Stachel sitzt, die Unbefangenheit schwindet. Wie kann er ihr es antun, zu verlangen, sich bloß-zu-stellen, wo er von ihren Schwierigkeiten weiss? Soll sie gehorchen oder rebellieren? Welch störende, lusttötende Gedanken sich einschleichen können ...

Seitenwechsel.
Die dominante Frau mit dem identischen Veränderungsprozess.
Ihr Situation ist eine grundlegend andere. Oder etwa doch nicht?
Ist eine dominante Frau mit zunehmendem Alter nicht eher gefragt?
Bedeutet Erfahrung in dieser Rolle etwas und zählt mehr, als faltenfreie Haut?
Oder schaut Frau ab 50 doch nur noch über den Zaun?
Vordergründig scheint dies nicht der Fall zu sein, aber dann ist solch eine erfahrene Frau unterwegs, in der realen ebenso wie in der virtuellen Szene und fragt sich, was tun, wenn die dort agierenden in der Mehrzahl ihre Söhne sein könnten. Kann das funktionieren, wo es in der überwiegenden Zahl der Beziehungen auch ein Leben vor und nach der Session gibt und sich spätestens dann zeigen wird, wie weit die Lebenswelten und –erfahrungen auseinander liegen?
Und wenn sie dann doch das passende Pendant gefunden hat, sich herausgestellt hat, dass der Altersunterschied lebbar ist, eine Mutter-Sohn-Relation vermieden werden konnte, oder sie sich vielleicht einem älteren Mann zugewendet hat, wie geht sie mit ihrem eigenen älter Sein um?

So oder so hat sie als aktive Frau eher die Möglichkeit, sich in ihrer Körperlichkeit zurückzunehmen, sie kann bestimmen, was sie zeigt und was besser nicht, sie wählt aus, dominiert das Geschehen und sieht sich plötzlich doch mit der Frage konfrontiert, ob sie sich wirklich zwingen muss, eine Fete lang auf High Heels durchzuhalten, auch wenn die (möglicherweise) arthritischen Knie so gar nichts mehr davon halten.

Auch auf dieser Seite bedarf es einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Klugheit, es braucht das Hinwegsetzen über gängige Schönheitsideale, das frei Machen von der Vorstellung des ewig Perfekten, den Mut zur Veränderung, kurz, das Akzeptieren von unvermeidlichen Grenzen.
Seien wir doch neugierig darauf, Neues zu entdecken, wenn Gewohntes nicht mehr geht, wenn Bandscheiben manches nicht mehr mitmachen, Gelenke weniger belastungsfähig sind, die veränderten Maße das geliebte Outfit sprengen, die Festbeleuchtung unserem Teint nicht mehr bekommt!

Und viele Frauen, submissive wie dominante, werden feststellen, dass sie trotz aller Veränderungen an Körper und Geist viel zu gut erhalten sind, um zu resignieren. Und dass es ihnen, auf beiden Seiten, doch gelingt, im Älterwerden dank ihrer Lebens-Erfahrungen und ihrer besseren Menschenkenntnis SM mit Spaß und Lust und Intensität zu erleben – mitunter tiefer gehend als zuvor!

(c) Una