Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
SM & Schwangerschaft

Upps... gewollt oder nicht... der Test ist positiv und die SM-Familie scheint sich um ein neues Mitglied zu erweitern.

Nur wie soll es weitergehen? Was verändert sich mit den Gefühlen innerhalb der Beziehung? Sind DS-Elemente noch tragbar? Kann ich meine schwangere Partnerin noch genauso behandeln – im mentalen wie auch im physischen Sinne – wie vorher?

Gedanken eines Paares, welches dieses Phänomen gerade durchlebt...


Aus Sub-Sicht:

Schwangerschaft - Bleibt die Neigung auf der Strecke, wenn der Bauch wächst?
Um gleich mit einer Gegenfrage zu beginnen: Warum sollte die eigene Neigung durch eine Schwangerschaft plötzlich nicht mehr vorhanden sein?

Kurz vorab ein paar Informationen zu meiner Partnerschaft und mein Verhältnis zum SM. Ich habe meinen Dom und Partner vor ca. 16 Monaten durch eine Kontaktanzeige kennen gelernt. Damals lebte ich in einer langjährigen normalen Beziehung, in der SM kein Thema war und ich auch sehr lange gebraucht habe, um herauszufinden was mir eigentlich schon seit Jahren fehlt. Zwar hatte ich schon seit meiner frühesten Jugend immer wieder Fessel-Fantasien und war auch sonst sehr experimentierfreudig, hätte dies aber niemals in die Schublade SM eingeräumt. Ich als selbstbewußte und mit beiden Beinen im Leben stehende, auf andere sehr dominant wirkende Person konnte doch keine Sub sein! Durch das Internet habe ich mich dann in den letzten Jahren immer mehr damit befaßt und mußte feststellen, es scheint irgendwie doch damit zu tun haben. Alle Versuche meinen damaligen Partner zu bewegen, das ein oder andere auszuprobieren scheiterten aber und so faßte ich den Beschluß es heimlich über eine Kontaktanzeige zu versuchen. Ich suchte in keinem Fall einen Lebenspartner, sondern nur einen Spielpartner, der mich in die Welt des SM einführt und mit dem ich meine masochistische Seite ausleben könnte. Das war der Plan! Und es ist dann doch ganz anders gekommen! Ich lernte meinen Dom kennen und wir fanden uns sympathisch. Nach einer Kennlern-Phase begannen wir mit ersten kleinen Spielchen und ich fand das alles sehr spannend und aufregend. Ich hatte Blut geleckt und konnte eigentlich nicht genug davon bekommen. Jede Minute die ich mich davonstehlen konnte - verbrachte ich mit meinem Dom - auch um uns besser kennenzulernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen und es passierte was passieren musste. Wir begannen uns ineinander zu verlieben. Schon relativ schnell war mir klar, dass ich klare Verhältnisse brauchte und so nicht länger weitermachen konnte. Ich beendete die Beziehung zu meinem letzten Partner und war nun frei für meinen Dom. Er konnte jetzt auch offiziell als mein Partner agieren. In der ersten Zeit veränderte sich unsere SM-Beziehung aber enorm. Auf einmal spielte SM nur noch eine nebensächliche Rolle, vor allem für meinen Partner. Er hatte irgendwie das Gefühl, mich durch irgendwelche Praktiken zu verletzten und mich dadurch zu verlieren. Ich konnte das am Anfang gar nicht richtig verstehen und hatte Angst, dass wieder Normalität in mein Liebesleben einkehren könnte. Nach einer Aussprache konnten wir uns gegenseitig beruhigen und wir haben sehr viel ausprobiert. Wie immer- ich war nur zu ungeduldig und im nachhinein hat mein Schatz genau das Richtige gemacht.

Wir wußten relativ schnell, dass wir zusammen bleiben wollen und haben dann beschlossen irgendwann eine Familie zu gründen. Über den genauen Zeitpunkt haben wir uns eigentlich keine Gedanken gemacht sondern nur, wenn es passiert dann passiert es eben. Und es ist sofort passiert! Klar es hätte noch ein paar Monate dauern können aber wir sind beide überglücklich und freuen uns auf unser Baby!

Wie hat sich jetzt unser Leben mit BDSM verändert?. Eigentlich nicht nachhaltig, ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass wir es jetzt noch bewußter und sorgfältiger ausleben und wir uns damit noch intensiver befassen. Klar werden jetzt bestimmte Praktiken nicht mehr ausgeübt, wie zum Beispiel Schläge auf den Bauch, Atemreduktion oder langes Ausharren in unbequemen Stellungen, aber dafür erleben wir die psychische Seite umso intensiver. Andere Praktiken, von denen ich dachte, ich möchte sie nicht ausprobieren wie zum Beispiel Nadeln, Spiele mit Strom, Abbinden der Brüste oder auch Einläufe fangen an, mich immer mehr zu interessieren und ich denke intensiv darüber nach. Dabei bin ich mir jetzt nicht im klaren, liegt es nur daran, dass jetzt im Moment nicht die Gefahr besteht, dies zu praktizieren oder ob sich meine Grenzen wirklich schon soweit verschoben haben. Mal sehen wie es sich nach der Schwangerschaft verhält. Ich denke mal beides spielt eine große Rolle – meine Schwangerschaft und auch das große Vertrauen zu meinem Partner und sein enormes Einfühlungsvermögen!

Dachte ich noch am Anfang unserer Beziehung hauptsächlich masochistisch und nur sehr wenig devot veranlagt zu sein, so hat sich das in den letzten Monaten und vor allem seit Beginn der Schwangerschaft sehr verändert. Immer häufiger gestehe ich mir ein (und das fällt mir immer noch sehr schwer) meinem Dom und Partner einfach nur dienen zu wollen und es bereitet mir Zufriedenheit und Genugtuung zu sehen, wenn er diese Aufmerksamkeiten genießt. Früher war ich hauptsächlich auf die Befriedigung meiner eigenen sexuellen Bedürfnisse aus und jetzt befriedigt es mich genauso, ihn einfach nur befriedigt zu sehen! War es vorher mehr ein gegenseitiges Geben und Nehmen, so möchte ich inzwischen mehr geben als nehmen – wobei ich unheimlich viel von meinem Partner bekomme! Um es anders auszudrücken, habe ich früher erwartet, genauso viel zurückzubekommen wie ich gegeben habe, so erwarte ich jetzt nichts mehr (oder nur sehr wenig ;-) ) und bekomme gerade dadurch unheimlich viel zurück!

Um noch auf ein paar ganz besondere Eigenheiten von SM in der Schwangerschaft sprechen zu kommen. Sessions können nur sehr schwer vorausgeplant werden da sich der Zustand und die Gemütsverfassung der Schwangeren sehr schnell ändern kann. War noch vor einer Stunde klar, dass ein intensiv ausgelebter „SM-Abend“ bevorsteht, so kann sich dieser durch schlagartig einstellende Übelkeit, Schmerzen im Unterleib oder durch ständigen Harndrang in einen schönen „Kuschel-Abend“ verwandeln. Auch während einer Session kann sich plötzlich durch irgendeine unbedeutende Äußerung oder eine Handlung plötzlich alles ändern und es muß abgebrochen werden. Gerade diese Gefühlsschwankungen haben mir als Sub die ersten Wochen sehr zu schaffen gemacht. Da ich sie am Anfang nicht richtig einordnen konnte, habe ich, sobald sie aufgetreten sind, Angst gehabt etwas falsches zu tun und meinem Kind dadurch zu schaden. Als ich damit besser umgehen konnte, begann eine Phase des Austestens, wie weit ich dadurch meinen Partner manipulieren kann. Sobald eine Änderung meines Gemütszustandes eingetreten ist, habe ich dies zum Anlass genommen die Situation abzubrechen, egal ob es mir wirklich nicht gut getan hat oder es einfach nur unangenehm für mich war und mir nicht in den Kram gepasst hat – und mein Trotzkopf wieder nicht zu bändigen war. Jetzt im Nachhinein tut mir das leid und ich schäme mich dafür. Hoffe ich doch, dass mir mein Dom verzeiht, wenn er dies hier liest. Ich weiß, dass es mein Partner tut ;-)! Inzwischen habe ich dies aber im Griff und ich überlege mir zweimal bevor ich einen Abbruch herausfordere. Andererseits verlangen manche Praktiken gerade mir als Sub viel ab, z.B. wenn mein Dom mir verbietet einen Orgasmus zu bekommen und mich dann aber sehr intensiv reizt, dann ist dies durch die stärkere Durchblutung im Genitialbereich sehr schwer durchzuhalten und auch die Übung vor der Schwangerschaft nützt dann nicht viel. Der zwangsläufige Orgasmus ist dann aus meiner Sicht alles andere als schön und es bringt mich in ein gefühlsmässiges Tief, welches sicherlich durch die Schwangerschaft noch verstärkt wird. Aber ich glaube, es ist dann auch für meinen Dom nicht einfach mit der Situation fertig zu werden, da er ja seine Partnerin nicht verletzten wollte und vielleicht einfach nicht daran gedacht hat. Generell möchte ich nämlich schon gestellte Regeln befolgen bzw. erwarte von meinem Dom, dass er seine „Forderungen“ ernst meint und auf dessen Umsetzung bedacht ist. Auch sind Spiele und Behandlungen mit den Brustwarzen sehr mit Vorsicht zu genießen. Eigentlich mag ich gerade diese Spiele und sie bereiten mir trotz der Schmerzen viel Befriedigung und Genuß. In der Schwangerschaft sind aber gerade die Brüste besonders sensibel und leider kann sich der gewollte Lustschmerz sehr schnell in einen unangenehmen und kaum aushaltbaren Schmerz verwandeln. Hier ist darauf zu achten, dass dann z.B. Klammern sehr schnell entfernt werden und die Brüste liebevoll behandelt werden. Ganz auf diese Stimulierung würde ich aber nicht verzichten wollen.

Ansonsten genieße ich die Schwangerschaft in vollen Zügen und freue mich jetzt schon auf die Zeit mit meinem neuen Masterchen bzw. Masterin, die dann in der ersten Zeit sicherlich an erster Stelle in unserem gemeinsamen Leben stehen wird. So wird sich auch mein Dom unterordnen müssen und wird das sicherlich auch partnerschaftlich machen. Auf die Zeit nach der Schwangerschaft und die Auswirkungen auf unser SM-Leben bin ich jetzt schon gespannt.

....und nochmals augenzwinkernd gesagt: So eine Schwangerschaft kann man ganz gut als Ausrede benutzen und man bekommt noch ein wunderbares Geschenk, denn ein Kind ist in meinen Augen die schönste Krönung der Liebe....und ich liebe meinen Schatz über alles!



Aus Dom's- Sicht

Schwangerschaft - Bleibt die Neigung auf der Strecke, wenn der Bauch wächst?
Um die Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Nein!

Mein Subbilein und ich befinden uns nun in der 14. Woche. Wir wissen von unserem Glück seit ca. 10 Wochen. Seitdem hat sich einiges verändert. Fachliteratur wurde angeschafft und studiert, die Verwandtschaft wurde informiert und nicht zuletzt haben auch wir uns Gedanken über unsere Zukunft gemacht. Die Geburt ist ja noch in weiter ferne und so beschäftige ich mich mehr mit der Gegenwart. Inzwischen bin ich „Experte“ was das Wachstum des heranwachsenden Lebens angeht. Dreimal schon habe ich unseren Nachwuchs via Ultraschall gesehen und kann nur jedem werdenden Vater raten, diese Momente mitzuerleben und zu genießen. Für mich stand es außerhalb jeglicher Diskussion, dass ich alle Stationen, die wir zu durchlaufen haben, mit meiner Partnerin gemeinsam durchleben möchte. Zum Glück erlaubt mir mein Beruf mich sehr eingehend mit meiner Partnerin zu beschäftigen. Zudem wollen die letzten Tage trauter Zweisamkeit noch genutzt werden, bevor Nächte mit wenig Schlaf an der Tagesordnung stehen werden.

Was unsere SM-Beziehung angeht, so liegen die Veränderungen auf einer anderen Ebene. Es hat sich nichts an der Intensität unserer Beziehung geändert; sie ist vielleicht noch ausgeprägter geworden. Wir leben unsere Beziehung noch bewusster aus. Jedoch habe ich an mir schon einige Veränderungen feststellen können. Dies bezieht sich, und damit spreche ich wohl auch für meine Partnerin, nicht auf die Lust am SM mit all seinen Facetten.

Ich bin vorsichtiger geworden. Bislang habe ich selbstverständlich immer über den physischen und psychischen Zustand meiner Sub gewacht; nur jetzt wächst in Ihr unser Baby heran. Das einzige was mich/uns interessiert ist, dass wir ein gesundes Baby zur Welt bringen. Und wir werden das unsere mögliche dazu beisteuern. Vorsichtig bedeutet in diesem Zusammenhang, ich trau mir nicht mehr alles zu! Das ist nun keine Form der Schwäche. Vielmehr schwingt im Hinterkopf nun immer die Frage mit: Schadet es auch nicht dem Baby und natürlich auch der Mutter!? Beispiele hierfür, ohne jetzt wissenschaftlich werden zu wollen (gehört auch nicht hier her!), sind Spiele mit der Brust (mittlerweile hat das Brustvolumen bereits eine Körbchengröße zugenommen) und auch Bondage im Bereich des Bauchs und der Genitalien.

Mitunter schleichen sich auch abwegige und vielleicht für viele „lachhafte“ Fragen ein. Wenn im fünften Monat das Gehör ausgebildet ist, kann es dann das Spanking hören und traumatisieren wir unser Baby dann damit? Oder: Da es bei Sessions auch mal kleine Täler zu durchwandern gilt, bekommt das Baby das mit und wenn ja, wie äußert sich das jetzt im Moment oder erst später einmal?

Auch auf die Planung von Sessions hat die Schwangerschaft etwas Einfluß genommen. Teilweise geht die Spontanität verloren, weil eben einiges nicht mehr ohne weiteres durchführbar ist, auf was ich in diesem Moment gerade Lust habe mit meiner Sub zu tun bzw. was ich einfach einmal ausprobieren würde. Dazu kommen dann noch die Schwangerschaftsbegleitumstände. V.a. die Übelkeit macht ab und zu einen Strich durch die Rechnung, sei es dass wir nicht zu spielen beginnen konnten oder mittendrin abbrechen mussten. Hier musste ich mich dann doch etwas umstellen.

Allerdings, und das ist jetzt das positive an der Schwangerschaft, haben wir neue Bereiche in unserer SM-Beziehung entdeckt, den wir bislang nicht beachtet oder besser gesagt brach haben liegen lassen. Somit sind die neuen Umstände auf eine gewisse Art ein „Selbstfindungsprozess“.

Und so viel ist sicher: Wir werden weiter SM machen, unseren Spaß dabei haben und uns den Gegebenheiten und Herausforderungen die vor uns liegen anpassen!