Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
SM & Trennung

Beziehungen beginnen... Beziehungen enden... Trennungen sind Alltag in Partnerschaften und (fast) jeder hat sie im Laufe seines Lebens schon durchlebt. Was bleibt, ist in den meisten Fällen ein Gefühl von Schmerz, Inhaltslosigkeit und Leere... Vor allem für die/den Verlassene/n...

Kein typisches SM-er Problem? Nein, sicherlich nicht. Nur kann es in einer Beziehung, die sich an DS-Inhalten entwickelt hat noch schwerer sein, wenn die Bezugsperson nicht mehr da ist?

Ein Dankeschön an Lisa, die ihre – noch recht frischen- Gefühle & Gedanken hier für Euch zu Papier gebracht hat....


Aus - es ist einfach AUS.

Dieses Wort, das eine Sklavin so fürchtet.
Einfach weggeschickt, weil im Leben des Herrn sich etwas verändert hat, weil sich die Ideen, die der Herr und Dom hat, sich von einer Minute zur anderen geändert haben.

Sie nimmt das Armband mit seinem Namen ab, mit dem er sie kennzeichnete, das Armband das sie Tag und Nacht getragen hat und gibt es ihm zurück. Als devote und demütige Sub kann man sich nicht wehren, sie nimmt alles von ihrem Herrn an. So wie sie immer alles angenommen hat: Schläge, Kontrolle, Demütigungen.

Nur: Bis jetzt hat sie alles so genossen was von ihm kam, in Liebe und Zuwendung, im gemeinsamen Spiel, in gemeinsamem Erleben, doch dieses Aus ist schmerzhafter als alles was sie erlebt hat, als alle Schmerzen und Demütigungen.

Dieses Mal kann sie nicht ihren Abbruchscode verwenden, den sie in einem Spiel noch nie brauchte. Jetzt möchte sie ihn sagen, schreien, brüllen, doch in dieser Situation nützt der ganze Abbruchscode nichts . Also schweigt sie .
Er will nichts mehr von SM real wissen, möchte wieder in eine bürgerliche Beziehung zurück, möchte seine Dominanz, die er erst mit ihr das erste Mal ausleben konnte, nur mehr wieder im Kopfkino erleben.

Sie zieht sich zurück, sie möchte, dass er glücklich wird, sie wünscht ihm alles Gute
Sie ist allein, so allein wie sie es noch nie vorher war.

Sie lebten nicht zusammen, aber sie waren Partner. Er hat ihr Leben bestimmt, sie geführt, gehalten, erzogen und sie genoß es. Er hat ihr Leben übernommen, die Verantwortung übernommen, etwas was sie vorher nicht kannte. Dann werden die Dinge ausgetauscht, einige Kleidungsstücke und Toilettenartikel, die beim jeweiligen anderen waren. Außerdem noch eine große Tasche, zwei Schachteln und eine Werkzeugbox mit den Spielsachen.
Alles einfach in die Tasche und in die Schachteln geworfen. Dinge, die sonst liebevoll behandelt wurden, die gepflegt waren, die genau ihren Platz hatten, immer griffbereit.
Das liegt jetzt einfach weggeworfen vor ihr - sie kommt sich genauso vor.

Sie war immer - bevor sie sich für ein Leben mit BDSM entschied - für sich selber da, für andere da, für Kinder und für Ehemann.
Sie war diejenige, die das Leben zu Hause und in ihrem Beruf bestimmte, deshalb war es so wunderschön all dies für ihn aufzugeben, alles in seine Hände zu legen.

Nein, nicht alles - nur das -was sie persönlich betrifft. Wie sie sich kleidet, schminkt, welchen Nagellack, welchen Schmuck und es war gut so. Er hat auch von Ferne geholfen, dass sie ihren Tag und ihre Hausarbeiten besser und effizienter macht. (Ja ach sie ist ja oft so faul). Er, ihr Herr, gibt ihr Antrieb und die Macht, die er dabei spürt, gibt ihr die Gewißheit, dass sie ihm wichtig ist. Und jetzt ist sie nicht mehr wichtig, nicht mehr geführt. Sie ist allein.

Die Verantwortung für sich selber, die sie in Demut ihm gab, fällt wie ein ganzer Kübel nassem feuchtem unangenehmen Schleim über sie. Sie erstickt fast daran, sie will diese Verantwortung nicht mehr.

Sie hat sich ihm geschenkt, mit allem was sie besitzt, Grenzen die sie hatte, wurden für ihn aufgegeben, Schmerzen die sie nicht so mochte, für ihn ertragen, Demütigungen, die sie ja zugegebenermaßen sehr liebt, genossen.

Und jetzt steht sie da, mit einem Berg Erinnerungen, die schön sind, aber sie kann sie nicht einordnen .
Sätze beim Abschied "du wirst wen finden der dich glücklicher macht" kann sie nicht nachvollziehen.

Ihre ganze Seele schreit nur nach dem, dem sie gern ihre ganze Liebe ihre Demut schenken will. Er will diese Liebe nicht, er weist das Geschenk der Demut und des sich ihm unterwerfen zurück. Geschenke, die man zurückgibt, weil man sie nicht will, sind verloren.
Denn sie wurden mit Liebe gegeben und werden wertlos, genauso kommt sie sich vor.

Die Umwelt sieht sie nur als traurige Frau an, naja so was kann ja passieren. Es gibt oft Beziehungen die auseinandergehen, such dir halt einen Neuen. Der Kopf sagt ja, versuch es doch, schau ob du noch jemand deine Demut schenken kannst . Freunde, die wissen wie es in ihr aussieht, sagen: Er ist dein Geschenk nicht wert gewesen.

Aber im SM Bereich ist es anders, man liebt inniger, fühlt intensiver, ja man lebt einfach gefühlvoller. Diese Gefühle, die entstehen, dieses sich völlig hingeben, einem Menschen voll vertrauen, sich auf ihn verlassen können, kann man nicht einfach auf jemand anderen übertragen.

Also wehrt sie die Angebote einfach ab. Zuerst meinte sie: Ich such mir jemanden, ich zeig es der ganzen Welt. Ich bin eine Sub, die noch jemand will. Doch als es konkretere Formen annimmt, also Mails mit einer Anfrage kommen, kann sie kaum antworten und wehrt nur mehr ab. Sie fühlt sich schlecht, sie fühlt sich so als hätte sie ihn betrogen, sie kann sich einem anderen nicht mal im Brief öffnen. Keine Antworten geben als "danke ich kann nicht" .

Sicher es gibt Freunde, viele die ihr zuhören, die versuchen ihr Mut zu machen. Ja, es ist da auch jemand, den sie lange kennt, der sie vielleicht zur Sub will. Wird es möglich sein, sich irgendwann von ihrem alten Herrn innerlich zu lösen?
Wird sie bereit sein für jemanden, dem sie ihre Demut schenken kann, dem sie auch einmal ihre Liebe geben kann?
Ist es dieser Mann, der sie als Freund schon fast ein Jahr nur im Gespräch begleitete, der immer für sie da war, wenn es Probleme gab? Verdient er nicht eine bessere Sub, nicht eine die zerstört und kaputt am Boden liegt, die nicht imstande ist, allein aufzustehen?

Sie las einen Artikel, dass bei SM im Gehirn gewisse Opiate frei werden und nach diesem 1 ½ Jährigen miteinander entwickeln, hatte sie dieses Erlebnis jetzt entdeckt. Sie konnte sich völlig fallen lassen, in seine Schmerzen, weil sie sich geborgen und aufgefangen fühlte.

Auch dieses geborgen sein und aufgefangen sein, hat sie verloren. Ihr Leben scheint ihr trostlos und so leer. Alles in ihr schreit tobt und schmerzt so , aber der Schmerz ist nicht schön. Es tut nur so wahnsinnig weh, dass sie meint daran zu zerbrechen.

Sie kann sich ein Leben ohne ihren Top einfach nicht vorstellen, sie lebt ja NOCH aber in ihr ist alles tot.