Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
SSC

Reisekosten…

Neulich saßen wir wieder beisammen – Carsten, Christian und ich. Und ausnahmsweise war es nicht Carsten, der sich über etwas tierisch aufregte, sondern Christian. Christian ist beruflich viel unterwegs; v. a. in Deutschland, aber ab und an ist er auch im europäischen Ausland zu finden. Er liebt seine Reisen, er trifft gern Menschen, er hört gern ihre Geschichten und er liebt es, Städte und Landschaften kennenzulernen. Ein geistiger Vagabund ist er. Er kommt zwar immer wieder gern heim, aber wenn ihn das Fernweh packt, halten ihn weder Augustiner Edelstoff noch der FC Bayern in München. Carsten und ich beneiden ihn immer – auf Firmenkosten in der Welt rumkommen…Außerdem schafft es der Hallodri ganz im Stile des Monaco-Franze immer wieder, sich mit irgendwelchen Gspusis aus irgendwelchen Chats zu treffen. Wenn er davon erzählt, hat er immer so ein schelmisches Grinsen im Gesicht – und es gibt eigentlich nur einen Menschen, der es schafft, ihm dieses Grinsen auszutreiben.

Eine Dame aus der Reisekostenabteilung in seiner Firma hat sich binnen kürzester Zeit zum rotesten aller roten Tücher für Christian hochgeschwungen. Durch selbstherrliche Verweigerung, ihm gewisse Beträge zu ersetzen, die er für seine Firma vorgestreckt hat, löst allein die Nennung ihres Namens bei Christian regelmäßig Bluthochdruck und Hyperventilation aus. Bei unserem letzten Treffen kam wutschnaubend der Spruch „Irgendwann leih ich mir bei meiner Domse einen Rohrstock und prügle ihr Verständnis für meine Arbeit in ihr nicht vorhandenes Hirn!“

Gestern rief Christian mich an – und an seiner Stimme merkte ich, dass irgendetwas passiert sein musste. Er hatte immer betont, dass er das persönliche Gespräch mit besagter Dame nicht suche und E-Mail-Kontakt bevorzuge, weil ihm sonst leicht etwas rausrutschen könnte… Nun, so erzählte er, hatte sich das persönliche Gespräch nicht mehr vermeiden lassen – er war von seinem Chef dazu verdonnert worden, um etliche Meinungsverschiedenheiten mit der Dame zu bereinigen. Aber dieses Gespräch war aber von Anfang an ganz anders gelaufen, als der gute Christian das befürchtet hatte. Ganz zahm sei die Dame gewesen – und sogar entschuldigt habe sie sich. Aber Christian fragt sich, ob das an seinem Charme gelegen haben könnte. Eher nicht. Denn die verehrte Dame sei knallrot angelaufen, als Christian in ihr Büro kam und gesehen hatte, welche Internet-Seite sie geöffnet hatte: die Homepage eines Versandes für Peitschen, Stiefel und andere nützliche Artikel.
Aber nun macht Christian sich Sorgen – denn wenn er die Dame auf einer Party treffen sollte und sie merkt, dass er auch einer von uns ist, besteht eine furchtbare Gefahr: dass die Dame wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfällt…