Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
SSC

Das Kreuz

Neulich saßen wir mal wieder zusammen; beim Italiener – Carsten, Christian und ich. Zwischen Pizza Quattro Formaggi, Chianti und Tirami Su fing Carsten auf einmal eine gar eigenartige Debatte an.
Ehe ich erzähle, worum es ging, muss man wissen, dass der gute Carsten ein klassische-katholisches Landei ist. Geboren und aufgewachsen im tiefsten Bayern, Sonntags ging er immer brav in die Kirche und Messdiener war er natürlich auch. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, war er auch noch Klosterschüler. Das alles ist zwar schon fast 15 Jahre her, aber Jugenderlebnisse sind schließlich prägend fürs gesamte Leben. Und Carsten besonders. Nein, er wurde nicht von Mönchen vergewaltigt. Geschlagen auch nicht. Aber so wie es sich für eine Klosterschule gehört, wurde er halt streng erzogen. Mag sein, dass das der Grund dafür ist, dass er nun unter uns weilt. Jedenfalls genießt er es bis heute, von schönen Frauen hart angefasst zu werden.
Neulich hat den guten Carsten etwas ziemlich aus dem Gleichgewicht geworfen. Es gibt nämlich Leute unter uns, die zu Religion einen ganz anderen Zugang haben als er, die Religion als überflüssig oder als hemmend bei ihrem sündigen Tun betrachten – vor allem die katholische. Carsten fing an von einer Bekannten, die sich über Hostienschändung lustig gemacht hatte und auf seine Bitte, sich etwas zurück zu nehmen, vom vierten in den fünften Verbalgang geschaltet hatte. Begründung: Sie hasse alle Religionen und die katholische besonders. Jeden Einwand von Carsten bügelte die Gute offenbar nieder; und er sah sich als Prinzipienreiter gebrandmarkt.
Nun hatte Christian, der aus beruflichen Gründen schon weit herum gekommen war, Carsten oft wegen dessen eingefahrener Denkwege hochgenommen, aber in dem Moment konnte man ihm die Sympathie für den Ärmsten regelrecht ansehen. Nicht weil Carsten sich wunderte, dass es Perverse gibt, die Religion nicht mögen. Sonder wegen der Intoleranz der ach so Toleranten.
Carsten hatte sich in der Zwischenzeit in eine regelrechte Wut hineingeredet. Bis Christian ihn fragte, warum er die Bekannte nicht zu unserem nächsten Treffen mitbringen wollte. Christian macht es nämlich einen Heidenspaß, solche Leute mit ihren eigenen Mitteln an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Bei Carstens Bekannter wird er sich aber bis zu unserem übernächsten Treffen gedulden müssen. Denn in 14 Tagen, wenn Carsten, Christian und ich uns wieder treffen, hat die Gute einen wichtigen Termin. Carsten erzählte, sie habe vor kurzem ein Kind bekommen – und an dem Tag, an dem wir uns das nächste Mal treffen wollten, sei ihre ganze Verwandschaft zu Gast. Wegen der Kindstaufe…