Josephine Muschdersub
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Gastkolumne - Josephine Muschdersub

Josephine Muschdersub - Mein Dom sagt
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ichtigesWeltWeit

Hi, Frau Nachbarin, - gelle da schaun sie über mein Begrüßung. So grüßt man sich in dene Chatrooms, wo ich mich seit neueschtem rumtreib. Liebs Herrgottle, sie schauget mich an, also ob sie kein blassen Schimmer haben tun wovon ich red. Also die Sach isch die, mein Dom der sagt, jeder Smer, der des Internet nicht nutzen tut, isch ein Dibbel*. Nach seinere Meinung isch des die beschte und einfachste Möglichkeit, mit andere Leut von unserem Schlag vernünftig über alles zum reden und sich des Wissen zum hole, des einer halt so braucht, wenn er die schwarze Liebe mag.

Eigentlich halt ich ja rein garnix vom Internet und von sellem chatten, denn ich bin nun mal der Meinung, dass um jemand mögen zum können, muss ich wisse wie jemand lacht und ob mir der Mensch gefallen tut. Und wisset Sie, Frau Nachbarin, man liest ja auch soviel über so Lüger und Betrüger im Internet. Die werden dort Fakes genannt und sind jemand ganz anderes als sie sagen dass sie wären. Also noi, ich möchtet nie mit jemand plaudere, von dem ich nicht genau weiß wer des Mensch isch !!!!

Aber mein liebster Herr und Dom sagt, man darf nur ebbs ablehne, was man auch ausprobiert hat und dass wenn ich auf einem Feschtle mit jemanden reden dät, dann würde ich den ja auch meistens nicht kenne, sondern würde nur seine Fassade sehen. Nach der Meinung vom meinem Dom, gibt es in der Wirklichkeit genauso Fakes wie im Internet . Oder isch des nicht groaßkopfed* wenn einer bloß, weil ihm unser Herr Ministerpräsident einmal die Hand geschüttelt hat , meint er gehöret jetzt zur Hotwolee*? Und weil der Herr mich so drängelt hat und weil ich ja nicht so sein wolltet, bin halt in so einen SM-Chat gegangen.

Und ich muss sagen, mein Dom hat recht gehabt, man kann sich fei echt gut und nett in so einem Chat unterhalten. So kompliziert isch die Chattersprache nicht – schwäbisch lerne isch gewiß schwieriger und wenn man was nicht kapiert, kann man immer einfach frage. Und weil man aus Höflichkeit alles klein schreibt, geht des mit dem Babbeln auch ziemlich schnell. Und wisset Sie Frau Nachbarin, ich hätt des fei nie denkt, aber man kann richtige Freundschaften auf die Art und Weis finden. Ich hab mir des am Anfang auch nicht recht erklären können, aber jetzt bin ich zur Überzeugung kommen, dass des sein Grund darin hat, dass die Menschen alles vorspielen können – aber seinem eigenen Humor hat noch nie einer davonlaufen können. Und Menschen die miteinander lachen können, können sich fast immer auch miteinander anfreunden.

Und in noch ebbs hat mein Dom recht gehabt – man trifft in den Chats viele nette Leute mit vernünftige Ansichten und guten Tipps, wie man sich das Leben schöner gestalten kann. Ich habe in dem SM-Chat schon ein ganz tolles und einfaches Rezept für Muffins bekomme und auch ein wirklich klasse Link zu so einer Seite mit Dekotipps für eine Geburtstagsparty. Und erst vorhin hat mir eine erklärt, wie ich meine Zimmerlinde von ihren Läusen befreien kann. Es isch wirklich praktisch und schön, was ich in dem SM-Chat schon alles erfahren und gelernt habe. Nur, mein Dom hat doch gesagt, dass da man sich dort des Wissen holen tut, des die Leut von unserem Schlag halt so brauchen. Aber Frau Nachbarin, sie haben mich doch auch schon um Rezepte, Dekoideen und Schädlingsbekämpfungsmittelchen gefragt – heißt des jetzt, dass Sie auch jemand von unserm Schlag sind?
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* Dictionärle:
ebbs = etwas
Dibbel = Dummkopf
großkopfad = angeberisch
Hotwolee = vornehme Gesellschaft



(c) Joesphine Muschdersub

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