Josephine Muschdersub
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Gastkolumne - Josephine Muschdersub

Josephine Muschdersub - Mein Dom sagt ...
Submission


Also Frau Nachbarin, die Sach isch die, mein Dom sagt ich sei ein submissives Weib und als solches wäre es meine Bestimmung mich voller Lust seinem Willen zu unterwerfen und seinem Begehren hinzugeben. Ja, ja Sie haben recht, von daher kommt es, dass Frauen wie ich bei uns Smern auch Sub genannt werden und ich bin wirklich gerne seine Sub.
Mir macht es große Freude für das leibliche Wohl meines Doms zu sorgen, denn wenn es dem Körper gut geht, fällt es der Seele leichter zu lachen. S`gibd nix besseres wie ebbes guads* und wenn er gerne einen frischen, ofenwarmen Hefezopf zum Frühstück hätt, dann macht es mich wirklich glücklich, sobald er eingeschlafen ist aus seinen Armen in die Küche zum schlüpfen und für ihn einen Zopf zu backen. Ich bin zwar dann morgens saumüde, aber meine Augen strahlen voller Freude, wenn ich sein schweigendes mampfendes Genießen beobachte.

Gut, wenn es ihm erst eine halbe Stunde vorher einfällt, dass er gerne Maultaschen* zum Mittagessen hätt, obwohl oder gerade weil schon der Duft von saure Linsen, Spätzle und Saitenwürschtle* durch die Wohnung zieht, nachher mach ich des schon auch, aber es fällt mir ehrlich gesagt schon verdammt schwer des mit einem lächelnden Gesicht und ohne bruddle* zu machen. Aber zum einen esse ich die Herrgottsbescheißerle* selber gerne und wenn es ihn glücklich macht, nachher will ich ihm halt die Freud gönnen. Und schließlich in so einem ordentlichen Haushalt wie dem meinigen verkommt* so schnell eh nix – nachher gibt es halt am nächsten Tag die saure Linsen.

Aber neulich zum Kaffee, da hab ich trotz meinere Fastenkur ein Träubleskuchen* ganz allein für ihn gemacht. Der hat ausgesehen wie gemalt und hat auch so geschmeckt. Als ich den auf den Tisch gestellt hab, hat mein Dom so sanft gelächelt, dass ich schon Böses geahnt habe. Ganz sanft hat er gemeint, er wolle doch mal sehen, wie brav ich seine könne und er hat mir befohlen ein Glas mit eingelegten Gurken aus dem Keller zu holen. Sie vermuten richtig, Frau Nachbarin, ich sollte die Gurken zusammen mit dem ganzen Kuchen essen. Mich hat es von Kopf bis Fuß geschüttelt, ich hab ziemlich gemurrt, aber geholfen hat es nichts. Und weil er es so nachdrücklich gewünscht hat hab ich es halt gegessen – ganz brav. Ich hab mir einfach gesagt zuviel isch bittr, ond wenns Honig wär*, also isch es eh egal was du ißt, aber von genussvoller Unterwerfung unter seinen Willen konnte natürlich nicht die Rede sein.

Aber s´regnet ned äll Dag Buttr en Brei* – auch für Doms nicht. Gestern abend waren Freunde meines Doms zum Binokeln* da. Ich weiß nicht was mein Dom plant hat, aber er hat mir angeschafft einen Wurstsalat ohne Essig und Zwiebeln zu machen. Damit wäre mein Ruf als gute Köchin für immer ruiniert gewesen. Und bei so ebbs bin ich empfindlich und weder meine Lust an der Unterwerfung noch meine Freude an der Hingabe reichen aus, dass ich den Gästen meines Doms ein schlechtes Essen vorsetzen dät. Daher bekam mein Dom auf sein Ansinnen nur eine Antwort von mir :
»Submission Impossible»

* Dictionärle:

es gibt nix besseres wie ebbes guads = es gibt nichts besseres als etwas Gutes

Maultaschen = ein schwäbisches Nationalgericht; es kann auch an Fastentagen, sprich fleischlosen Tagen gegessen werden d.h. es ist in katholischen Gegenden ein typisches Freitagsgericht und wird an Gründonnerstag landauf und landab gegessen, also auch bei den Evangelischen. Weil die Schwaben so gern Fleisch essen, kommt in die Fülle neben Fleisch sehr viel „Grünzeugs“ – meistens Spinat und/oder Kräuter, das Ganze wird dann mit Nudelteig umhüllt. So sieht der Herrgott den Verstoß gegen das Fastengebot nicht

Saure Linsen, Spätzle und Saitenwürschtle = ein weiteres schwäbisches Nationalgericht; gekochtes und mit einer dunklen Mehlschwitze angedicktes Linsengemüse, dazu als Beilage Spätzle und ein Paar Saitenwürste, im übrigen deutschsprachigen Raum auch als Wienerwürstchen oder Frankfurterwürstchen bekannt

bruddla = schimpfen

Herrgottsbescheißerle = Maultaschen

verkommen = schlecht werden

Träubleskuchen = Johannisbeerkuchen

zviel isch bittr, ond wenns Honig wär = zuviel ist bitter und wenn es Honig wäre (wörtlich); allzuviel ist ungesund (sinngemäß)

s´regnet ned äll Dag Buddr en Brei = es regnet nicht jeden Tag Butter in den Brei (wörtlich); es geht nicht immer gut aus (sinngemäß)

Binokeln = Binokel ist ein altes süddeutsches Kartenspiel, das aus dem französischen Bézique entwickelt wurde. Vermutlich ist das Binokel-Spiel aufgrund der früheren engen französisch- württembergischen Beziehungen vor allem in Württemberg das "Nationalspiel" geworden. Binokel kann man zu zweit, zu dritt und zu viert spielen.

(c) Joesphine Muschdersub

www.Muschdersub.de