Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
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G.P.
Gastkolumne - Josephine Muschdersub

Josephine Muschdersub - Mein Dom sagt
Doppelnutzungen

Was machen Sie denn da Frau Nachbarin? Warum schmeißen Sie so ein Kukident-Tablettle in Ihre schöne Kristallvase hinein? Achso, sie finden des was bei der Reinigung der dritten Zähne Ihres Gatten hilfreich isch, des kann bei der Reinigung von so einer verkalkten Vase nur nützlich sein? Aber Frau Nachbarin, die Macher von dem Kukident-Tablettle, die haben sich doch bei der Herstellung was denkt, und wenn die gewollt hätten, dass man damit auch Vasen reinigt, nachher hätten sie des auf die Verpackung nauf geschrieben!

Mein Dom sagt alleweil, jedes Ding hat seinen Zweck für das es hergestellt ist. Ein Stuhl ist an ein Stuhl ist ein Stuhl und ist kein Strafbock. Punkt. Und jeder der ein Stuhl zu was anderem benutzt, als zum drauf sitzen isch ein Bobbel*. Und wissen Sie Frau Nachbarin, i dät mi Sünda fürchta*, wenn i mein Dom da widerschpreche dät.

Ich finde es ist ein Mangel an guaten Manieren, wenn sich die Leute nicht die Mühe machen, für den jeweiligen Zweck des richtige Handwerkszeug zu beschaffen. A hausiges Weib isch zwar de beschd Sparkass*, aber ich würde es einfach nur als peinlich empfinden, wenn ich mit dem Paddel von meinem Dom auf Mückenjagd gehen müsste. Da müsste sich doch jeder fragen, ob mir zu arm für eine Fliegenklatsche sind!!

Oder schauet Sie doch da mal ihre Spüle an. Haben Sie da etwa ein Schlauch mit einer Analdusche dran montiert? Gell auf so eine blöde Idee kämen sie erst garnicht. Gut Sie sind Vanilla und in dem Fall hilft des wirklich gegen Mißgriffe, aber neulich war ich auf so einer privaten Session. Mir isch fei die ganze Luscht vergange, als ich bei einem Blick in deren Küche festgestellt hab, dass meine Gastgeber zur Vorreinigung von ihrem Geschirr so eine Analdusche benutzen. Ich find nicht alles, was praktisch isch, isch auch wirklich so, dass man es machen derf.

Auf der selbigen Party hatten die in der Rauchereck ein Fenster geöffnet. Des Fenster wollte aber immer zufalle. Da hat der Hausherr einfach einen Plug genommen und zwischen Fensterrahmen und Fensterflügel eingeklemmt. Guat, des Fenster isch nimmer zugefallen, aber ich hab mich schon ziemlich scheniert* deshalb. Die Reingeschmeckten müssen bei so einem Verhalten doch wirklich des Gerücht glauben, dass wir Schwaben Schotten sind, die wegen übertriebenem Geiz ausgebürgert worden sind!

Frau Nachbarin, saget Sie einmal, stört sie des knarrende Küchenfenster den überhaupt nicht? Ich jedenfalls fühl mich in unserer Konversation durch des Geknarre schon eingeschränkt? Aha Sie auch, aber sie haben halt keine Schmier für des Scharnier daheim. Ich leider auch nicht – aber halt warten Sie, ich hab gerade eine guate Gleitcreme im Sexshop besorgt – sodele jetzt hat des Scharnier eine guate Schmier und wir können in Ruhe weiter schwätzen! Wo sind wir eigentlich unterbrochen worden?

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* Dictionärle:
Bobbel = ein guter Bekannter, der etwas nicht richtig verstanden oder etwas verkehrt gemacht hat
I dät mi Sünde fürchta = wörtlich: ich würde mich fürchten eine Sünde zu begehen; sinngemäß: große Bedenken haben wegen der moralischen Zulässigkeit
A hausiges Weib isch de beschd Sparkass = wörtlich: eine häusliche Ehefrau ist die beste Sparkasse; sinngemäß: nichts geht über ein sparsames Eheweib
schenieren = schämen
schwätzen = plaudern
Musterschwäbisch = Musterdeutsch


(c) Joesphine Muschdersub

www.Muschdersub.de

Letzter Auftrittstermin 2004!
Wer übrigens Josephine live erleben möchte, hat jetzt die Möglichkeit dazu. Am Mittwoch, den 17.11. liest sie im Mannheimer Why Not



Josephine Muschdersub
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