Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
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G.P.
Gastkolumne - Josephine Muschdersub

Josephine Muschdersub - Mein Dom sagt
Lausiges

Die Adventszeit ist für mich dieses Jahr eine einzige nikolausige Qual. Sehet Sie Frau Nachbarin, die Sach isch die, mein Dom isch doch Pfarrgemeinderat und als solcher legt er großen Wert drauf, dass unsere oberschwäbischen Sitten und Gebräuche nicht verfälscht werden. Jetztetle isch ihm aufgefallen, dass auch bei uns immer öfter statt einem Bischof namens Nikolaus ein so ein gottloser Weihnachtsmann erscheint. Und als er sich dann noch erinnert hat, dass wir auf der Bühne* von unserer Großmutter seelig sowohl ein Bischofsgewand für den Nikolaus als auch die Klamotten für seinen bedrohlichen Begleiter, den Rupprecht haben, kam er auf die – wie ich anfangs fand freundliche Idee – dass wir zwei in unserer Pfarrgemeinde unsere kostenlose Dienste als Nikolaus und Knecht Rupprecht anbieten könnten.

Ich hab mir des so richtig schön vorgestellt – ich als freundlicher Nikolaus, der aus seinem goldenen Buch den Kindern nur des vorliest, was deren Eltern dem Nikolaus ganz genau angeschafft haben. Des hätt ich mir schon zu traut, meine Stimme verstellen kann ich und als gute Sub bin ich es gewohnt fremde Befehle auszuführen. Und ich finde, was ein richtiger Knecht Rupprecht sein will, der sollte am besten ein Dom sein. Oder wüsstet Sie sonst einen dunklen Mann mit bezwingenden bedrohlichen Augen, der nix redet und doch weiß ein jeder, dass er gut mit der Rute umgehen kann und man besser seinen wortlosen Befehlen folgt, wenn man nicht gefesselt in einem Sack landen will. Also ich finde ein guter Dom ist die ideale Besetzung für die Rolle des Knecht Rupprecht.

Des Dumme ist nur gewesen, dass mein Dom zwar meint er befolgt keine fremden Befehle, aber von Kinderaugen wird er schachmatt gesetzt. Und er hat zwar kein Problem, mir anzuschaffen was ich zu tun und zu lassen habe, aber einem Kind mit der Rute drohen, des kann er it*. Und weil er als Dom nicht in der Lage ist in die Rolle des gefährlichen Knecht Rupprechts zu schlüpfen, hat mein Dom mir befohlen, dass ich als knecht-rupprechtige Domme ihn bei seinen Hausbesuchen begleiten muss.

Ich war ja meinem Dom stinksauer, dass er mich zum switchen gezwungen hat. Jeder meiner möglichen Einsprüche wurden von meinem Dom mit dem Hinweis auf die enttäuschten nikolaus-befreiten Kinder im Keim erstickt. Des war fei gar nie nicht ssc, was mein Dom da mit mir gemacht hat! Aber wer Böses tut, den straft das Leben.
Und meine Liebe, heut zerreisst es mich vor schadenfrohem Gelächter. Ich bin ja eine sehr geduldige Sub und ertrag die Launen von meinem Dom mit einer engelsgleichen Geduld, aber es war mir heute dann doch ein ausgesprochener Genuss, dass ich als switchender Knecht Rupprecht nur in Bart brummen muss, während der liebe, gute, brave Nikolaus alles erklären und nix und niemand auslachen darf. Was passiert ist? Nun wir waren bei einer im Städtle gut bekannten Familie und wunschgemäß erklärte mein Dom den Kindern, dass sie in Zukunft weniger mit einander streiten sollten und wenn es doch einmal passiert, sie sich danach möglichst schnell wieder versöhnen sodet. Kaum hatte mein Dom des gesagt, da dreht sich eines von dene Kinder um und meinet zu den Eltern: „Höret ihr des! Des sag ich euch auch immer!“


*Dictionärle:

Bühne – Dachboden

It - nicht

(c) Joesphine Muschdersub

www.Muschdersub.de





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