Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
carSten,chriStian & iCh
G.P.
Die Muschdersub in der Hauptstadt

Gespannt bin ich. Wie das wohl werden wird? Meine ehemalige Hausmeisterin, die zur Freundin wurde und plötzlich begann, SM zu leben, die eine Kultkolummne schuf und nun auch noch eine schwäbische Lesung in einem Berliner Lokal halten will.

Ein Speiselokal für SM-Heten. Speisen, Heteros und SM. Hmmm. Wie die meisten
Schwulen neige ich dazu, Extase und Extremes nur in der schwulen Sub für möglich zu halten. Gespannt bin ich trotzdem. Schließlich hat diese Szene mit der Muschtersub einen der buntesten, herzenstiefsten, klügsten (und dicksten) Menschen, die ich kenne, in den Bann gezogen.

Dann kommen sie, die SM-Heten. Ziemlich bunte Gesellschaft. Die Männer oft einen ungewöhnlich starken Blick. Die Frauen unmöglich zu erkennen. Keine Vereinsmeierei. Keine traurigen Gestalten. Gute Szenerie. Wär die Kneipe schwul, würde ich sie mir merken. Scheint doch noch ernstzunehmende Randgruppen zu geben bei den Heten.

Und mittendrin die Muschdersub, meine verflossene Hausmeisterin und Freundin, mit lauter komischen Szenenamen und einem plutoniumfähigen Dirndl.
Nervös, zittrig, üppig und verletzlich. Gott sei Dank gut geschützt. Entweder haben die Doms bei den Heten einen guten Ehrenkodex oder ihr Macker ist eine charakterliche Sonderausführung. Da kann nix passieren. Beruhigend.

Schließlich geht´s los. Von den fast zwei  Dutzend Texten kenne ich nur zwei. Von den neuen Texten sind viele richtig gut, ein paar sind zum Brüllen. Gelangweilt hab ich mich keine Minute. Die anderen offensichtlich auch nicht. Die Heten vom Nebentisch lachen sich schlapp. Der einzige, der nie lacht, Marke geheimnisvoll und unnahbar an der Bar, ist nach der Pause wieder da. Sie kommt an.

Verstehen kann ich alles. Schwäbisch ist eben nur beim Essen schwere Kost. Die Muschdersub spricht Deutsch mit schwäbischer Mundart, und was kein normales Deutsch ist, das erklärt sie kurz. "Battre" heisst liebevoll schlagen. Worüber die Schwaben so alles reden. Sie nimmt´s fast ein wenig zu ernst mit der Übersetzung ins Hochdeutsch. Den Berliner traut sie´s wohl nicht zu. Dabei gibt´s in Berlin gar nicht soviel Berliner.

Nach zwei Stunden Unterhaltung ist´s vorbei. Gut hat´s mir gefallen. Damit wird sie sicher Erfolg haben. Ist eigentlich für jeden was dabei. Vorausgesetzt er oder sie hat Erfahrung mit SM oder kennt die Szene etwas. Die nimmt sie liebevoll, klug und schnippisch auf die Schippe. Wer´s verpasst ist selber schuld. Die Muschdersub ist nicht mehr wegzudenken. Gut so.

©Sebastian