Josephine Muschdersub
Neues aus Hasenruh
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G.P.
Sub-optimiertes Duo gastiert in München

Sub-optimiertes Duo gastiert in München

Das Soul City am Maximiliansplatz in direkter Nachbarschaft zum legendären Nachtcafé gibt sich äußerlich als typischer Münchner Club zu erkennen -- das Fehlen jeder Form von Türklinke macht dem potenziellen Besucher zum Spielball des Einlasszirkusdirektors und seiner Bevollmächtigten. Der Themenabend „Ja, so is dat!“ am 13. September 2004 fällt jedoch aus dem üblichen Münchner Clubraster, adressiert er doch statt den Mainstream die lokale SM-Szene. Dem in vieler Hinsicht unkundigen Besucher freilich erschließt sich dieser Umstand nicht auf Anhieb. Er könnte auch die zweistündige Distanz zurücklegen im Glauben einem normalen mundartlichen Kabarett- oder Comedyabend beizuwohnen.

Das Publikum genügt in Äußerem und Habitus diesem falschen Anschein in jeder Hinsicht -- Normalos im gut gefüllten Saal allerorten. Alter und Geschlecht sind verteilt, die Mehrheit bewegt sich zwischen 30 und 50. „Liebe Freunde, liebe Gäste, geschätztes Publikum!“ -- die Hauptdarsteller Apollonia und Armin beginnen den Abend. Wer glaubt, der Mensch könne zeitlebens nur 1000 Mal lachen, sollte den Saal schnell verlassen.

Und tatsächlich, der Opener „Kalle und die Konsequenz“, gefolgt von „Domina Wörkschopp mit Leedi Jennifer“ und „Das Runde muss ins Eckige“ strapazieren die Lachmuskeln des Publikums ein uns andere Mal. Hübsch fällt „Tante Ria“ aus, eine hessisch-mundartliche SM-Tante mit Strass in den Ohren und weinerlicher Falsettstimme. Der stets staubtrockene Humor von Tante Rias Darsteller Armin kontrastiert mit überspannten Art seines Vortrags. Das Publikum ist dabei guter Dinge, besonders an den häufigen, eindeutig zweideutigen Stellen.

Auf Ria folgt die Kunstfigur Josefine Muschdersub als Special Guest. Sie liest aus ihren schwäbischen Kult-Kolumnen „Mein Dom sagt...“. Die Muschdersub ist eine stattliche Erscheinung, die der Veranstaltung durch ihr grünes Dirndl mit expressiv gemusterter Bluse ein gewisses Lokalkolorit verleiht. Ein kleiner Tisch und ein Stuhl auf der drei Stufen hohen Bühne sind ihre einzigen Requisiten.

Ihre Kolumne „Bewerbungsdurchoinander“, erstmals erschienen auf Lustschmerz.de, zieht das Publikum nach wenigen Sätzen auf die Seite der Kleinkünstlerin: „Grüß Gott Frau Nachbarin, Sie glaube garned, wie schwierig des mit dem Sub sein isch.“ Doch keine Angs(ch)t: Des Schwäbischen nicht mächtige Zuhörer kommen jederzeit mit, die Muschdersub hält außerhalb des Musterländles die Balance zwischen Hardcore-Dialekt und hochdeutsch. Das heißt nicht, dass der Vortrag bar jedes urtümlichen Idioms ist: „Ich fand des ziemlich wonderfitzig von so einem Kerl...“ Wie in diesem Fall bringen diese mundartlichen Solitäre beim Publikum die spontanen Lacher.

An anderen Stellen verfällt der Saal in ein Dauerglucksen. So, wenn sie in fast leiser, aber immer vernehmlicher Stimme einen Briefes vorträgt: „Werter Herr, vielen Dank für ihr ehrvolles Angebot. Um überprüfen zum können, ob eine Sub mit meinen Ansprüchen von Ihnen angemessen versorgt werde kann, bitte ich höflich um die Vorlage ... (der) ärztlichen Bescheinigung, dass auch heftige sexuelle Erregung Ihre Gesundheit nicht gefährdet.“
In ihrer Abschlussnummer erfasst die Muschdersub der Putzsklavenblues: „Sie wolltet mal so ein Putzsklaven in Aktion sehen? Ehrlich gesagt, ich auch!“ Liebevoll-ironisch nimmt die Schwäbin die merkwürdigste Tradition ihrer Landsleute, die Kehrwoche, auf die Schippe. Dabei bleibt Raum für zielgruppengerechte Späße: „Sie können drauf wetten, so an Putzsklave will ... lieber gestraft werden als hart zu arbeiten.“ Der größte Brüller: „Und wenn ein Putzsklave mal wirklich regelmäßig Zeit für seine Aufgaben haben dät ... dann kosch ihn hundertprozentig net braucha, weil er zwoi lenge Hend und dia no em rechda Hosensack hat.“

Im Applaus zur letzten Muschdersub-Nummer entern die Hauptakteure des Abends wieder die Bühne: die taffe Apollonia und der schon bekannte Armin. Ihre „Fetischparty im Duett“ breitet szenisch die Vorbereitung und den Ablauf einer - wenn der Begriff erlaubt ist - einschlägigen Party aus. Apollonia ist die Ich - Erzählerin, Armin assistiert. An einem warmen Sommerabend wählt das Paar seine teure Garderobe en detail aus, um später im „Allerheiligsten der Körperkultur“ einzulaufen. Dort tummelt sich allerlei absonderliches SM-Volk, dem Apollonia kauzige Arbeitsnamen andichtet. Mal steht die Transentruppe Bochum-Wattenscheid am Waschbecken, mal blubbert es aus 'nem Reißverschluss. Die verquere Berechnung einer richtigen Peitschenlänge bildet den heiteren Mittelteil der Nummer, die einige Minuten später ihr lakonisches Ende findet.

Den Sketch hält ein Running Gag zusammen: das Nennen der Euro-Preise für jedes auftauchende Kleidungsstück. Nach Ansicht des Rezensenten überstrapazieren die Künstler in Menge und Frequenz ihr konsum- und kulturkritisches Anliegen etwas, was der eigentlich wunderbar assoziativen Nummer einen moralinsauren Beigeschmack verleiht.

An derlei krankt die Zugabe ganz und gar nicht. Eine Katherina Kalinowsky (Apollonia) flötet süßlich-desinteressiert ins Telefon einer SM-Service-Hotline, Armin gibt die Anrufer - köstlich! Dem Rat Suchenden, der sich „entschlossen (hat) als Sklave zu leben“ verkauft Katherina Kalinowsky eine Versicherung. Dr. Hagedorn, einem passiven Fußfetischisten, macht sie klar, dass „attraktive Frauenfüße aus dem Senegal“ auch schon mal als Größe 44 ausfallen dürfen. Herr Weber hat mechanisch größte Probleme mit einem Starter-Kit und bekommt den ADSMC-Schutzbrief für Pleiten, Pech und Peinlichkeiten verkauft. Obgleich oder auch weil das Skript zu dieser Zugabe am Nachmittag zuvor im Münchner Café Haidhausen innerhalb nur einer Stunde entstand, ist sie waschechtes, untertonfreies Comedy - sehr vergnüglich. Der nächtliche Applaus im Soul City ist entsprechend und das Tausend-Lacher-Konto ziemlich abgeräumt.

(c) Jasper Mohr

Anmerkung der Redaktion:
Weitere Auftrittstermine von apollonia und armin:
14.10. im muk in Gießen

Weitere auftrittstermin von josephine
17.11. im Why Not in Mannheim (es gibt dazu eine schwäbische speisekarte)